Zinswende tangiert Aktienmärkte

Wie ein Blick auf die Entwicklung der Aktienindizes zeigt, hat das Börsenjahr 2023 insgesamt bislang einen recht positiven Verlauf genommen. Aber der September steht in dem Ruf, ein schwieriger Börsenmonat zu sein. Seinem Ruf ist der September in diesem Jahr gerecht geworden, denn die Aktienmärkte mussten in den letzten vier Wochen auf breiter Front Kursrückgänge vermelden.

Der marktbreite amerikanische S&P 500 Index gab mehr als 3% ab und sein europäisches Pendant Euro Stoxx musste immerhin einen Rückgang von 1,5% vermelden. Beim DAX war der Abschlag mit ca. 3,5% am größten. Ein Kontrastprogramm stellte der japanische Topix Index dar. Hier ging es im September um fast 4% aufwärts, womit sich die Spitzenposition Japans unter den wichtigen Aktienindizes im Jahr 2023 weiter erhärtet.

Insgesamt standen die Aktienmärkte im September unter dem Eindruck deutlich steigender Langfristzinsen. Damit setzte sich die Normalisierung an den Anleihemärkten nach mehr als einem Jahrzehnt ultra billigem Geld fort. Während die Kurzfristzinsen in den USA, in Großbritannien und der Schweiz nicht weiter angehoben wurden, kam es am langen Ende der Zinsstrukturkurve zu markanten Kursverlusten. Zum Monatsultimo müssen die Vereinigten Staaten ca. 4,6% für neu auszugebene zehnjährige Staatsanleihen bezahlen. Auf ungefähr dem gleichen Niveau liegen die Renditen für zehnjährige italienische Staatspapiere. Aber auch in Deutschland ziehen die Langfristzinsen an. Sie liegen bei zehnjährigen Bundesanleihen mittlerweile bei knapp 3%. Demgegenüber liegen die vergleichbaren Renditen bei schweizerischen Zehnjährigen nur bei 1,1% und bei japanischen Anleihen lediglich bei 0,75%.

Die Höhe der Zinsen am Finanzmarkt ist wichtig für Wirtschaft und Verbraucher. Auch die Aktienmärkte können die historische Zinswende nicht ignorieren. Die Zeiten, in denen die Aktienanlage als alternativlos gelten durfte, sind vorbei.

Auf mindestens dreifache Weise tangieren Zinsen die Aktienmärkte. Zunächst ist festzuhalten, dass Zinsanlagen die klassische Anlagealternative zu Aktienanlagen darstellen. Hier gilt: Je höher die Zinsen liegen, desto unattraktiver werden demgegenüber Aktienanlagen. Wesentlich ist zudem der Einfluss der Zinsen auf die Bewertungsmultiplikatoren für Aktien. Um Aktienanlagen hinsichtlich ihrer Preiswürdigkeit einzuschätzen, werden geschätzte künftige Unternehmensgewinne auf den heutigen Tag abgezinst. Je höher der Abzinsungssatz liegt, desto geringer ist der heutige Wert zukünftiger Gewinne. Daher sorgen die angestiegenen Zinsen für eine Wertminderung bei Unternehmen. Und schließlich finanzieren sich die meisten Unternehmen aus einer Mischung aus Eigen- und Fremdkapital. Für das Fremdkapital, z.B. Bankkredite, zahlen die Unternehmen Zinsen. Die gestiegenen Zinsen sorgen c.p. für sinkende Finanzergebnisse.

Immerhin gibt es auch Unternehmen, die keine Schulden aufweisen und vielmehr einen Kassenbestand ausweisen. Gerade bei japanischen Unternehmen finden sich viele Beispiele solcher Firmen. Für das LOYS-Fondsmanagement erbringt die Zinswende eine größere Notwendigkeit, die Bilanzqualität der Unternehmen stärker unter die Lupe zu nehmen. Per Saldo wird man sagen können, dass die Aktiengesellschaften, die sich in den Depots der LOYS-Fonds befinden, mit robusten Bilanzen unterwegs sind.


Ihre

Fondsmanager und Mitinvestoren

Dr. Christoph Bruns               Ufuk Boydak       

Chicago,                                    Frankfurt a.M. am 30.09.2023