PISA und die bedauerlichen Folgen

Zyniker werden sagen, Deutschland habe eine sehr repräsentative und lebhafte Demokratie. Die Wahlbeteiligungen sind im internationalen Vergleich sehr hoch und die Repräsentanten des Volkes in den Parlamenten entsprechen recht gut dem Bildungsniveau der Wähler. Da das Bildungsniveau seit fünfundzwanzig Jahren rückläufig ist, so jedenfalls zeigen es die PISA-Erhebungen, soll man sich nicht zu sehr darüber verwundern, dass auch die Entscheidungen der Regierenden mitunter uninformiert und urteilsschwach wirken.

Ein krasses Beispiel dafür ist die deutsche Energiewende. Es bleibt schwer verständlich, warum ein Industrieland wie die Bundesrepublik Deutschland auf einmal meinte, bei der Energieversorgung weitgehend auf Wind und Sonne setzen zu sollen. Heute sind die Folgen des eingeschlagenen Weges bekannt: Deutschland hat sehr hohe Energiepreise und deindustrialisiert seither. Der Umwelt hat das Abenteuer kaum genutzt, denn die CO₂-freie Atomkraft bestehender Meiler musste weitgehend durch grundlastfähige vorhandene Kohlekraftwerke ersetzt werden, die z. T. bereits eingemottet waren. Aus dem Stromexportland (wertmäßig) Deutschland wurde ein Stromimportland. Zu den Importen zählt selbstredend auch Atomstrom aus den Nachbarländern.

Bei der Migrationspolitik war es kaum anders. Ein rohstoffarmes Land wie die Bundesrepublik Deutschland ist auf den Unternehmer- und Erfindergeist sowie die Tüchtigkeit seiner Bevölkerung angewiesen. In der öffentlichen Debatte wird zugleich zunehmend kritisch hinterfragt, inwieweit die Migrationspolitik der vergangenen Jahre den wirtschaftlichen und demografischen Herausforderungen Deutschlands gerecht wird.

Beim Thema ´Rente´ zeigt sich ebenfalls ein absurder Befund. Obwohl die unvorteilhafte demographische Entwicklung seit Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts hinreichend bekannt ist, hat die Politik sich allen informierten Versuchen verweigert, frühzeitig gegenzusteuern. Die diesbezüglichen Wege der Nachbarstaaten einer zusätzlichen kapitalgedeckten dritten Säule der Altersabsicherung wurden abgelehnt und ggf. sogar als Aktienspekulation verunglimpft. Die Folgen für die Wohlstands- und Vermögensentwicklung Deutschlands sind in den jährlichen Vermögensberichten zu bestaunen, wo die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt bei Medianbetrachtungen nur unter ferner liefen auftaucht.

Wie konnte es so weit kommen und was kann man in der Zukunft erwarten? Zunächst muss man feststellen, dass Populismus in Wahrheit Propaganda ist und überall in der Politik verbreitet ist. Auf markige Sätze wie „Wir schaffen das!“ oder „Die Sonne schickt keine Rechnung!“ oder „Eins ist sicher: die Rente“ oder die Umbenennung von Schulden in ´Sondervermögen´ fällt ein zunehmend ungebildeter Demos schnell rein. Wenn fast ein Drittel der Fünfzehnjährigen die Hauptaussage eines kurzen Textes nicht mehr verstehen kann, braucht man sich nicht zu wundern.

Vielleicht ist es daher nachgerade logisch, dass ein beachtlicher Anteil der Bevölkerung die Lösungen aller Probleme – zumal jene der Bildung – beim Staat sieht. Bezeichnend dafür ist das Siechtum des Liberalismus in Deutschland, der durch das Wegschmelzen der FDP in die Unbedeutendheit versinnbildlicht wird. Klar ist, dass Bildung und Wohlstand stark zusammenhängen. Der Kluge wird nicht darauf warten, dass der Staat hier eine Wende vollziehen kann. Und so ist es auch bei der Kapitalanlage. Der Einzelne muss die Weichen stellen und sollte sich dabei nicht von den staatlichen Diskriminierungen der Aktienanlage (z. B. nachteilige Besteuerung gegenüber Kryptomünzen) abhalten lassen. Das Investieren in einen internationalen Korb heterogener Qualitätsunternehmen bleibt der Königsweg der langfristigen Kapitalanlage.


Ihr Fondsmanager und Mitinvestor

Dr. Christoph Bruns

Chicago, 30.09.2026