03:30 - Dienstleistungen steigen
05:05 - Großbritannien Inflation
08:40 - Übernimmt die KI jetzt Dienstleistungen
16:50 - Aktie des Monats
Podcast-Transkript
Tom Roth: Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von unserem Podcast. Ich sitze hier mit dem Portfoliomanager Markus Herrmann, heute im Frankfurter Büro. Hi Markus. Wir sind ja aktuell in Deutschland. Wenn wir hier mal bleiben, hatten wir jetzt in den letzten Jahren ja auch viele Jahre, die jetzt nicht so gut liefen. Und man sieht ja aktuell aber auch ein bisschen Rückenwind. Wenn man sich jetzt zum Beispiel mal den Einkaufsmanagerindex anschaut, der jetzt ja auf seinem Drei-Jahres-Hoch ist, würdest du da vielleicht sagen, dass da jetzt auch, vor allem weil das jetzt auch für die Industrie war, dass die da jetzt einen gewissen Rückenwind bekommt und jetzt wieder alles nach oben geht?
Markus Herrmann: Ja, wie du schon richtig gesagt hast, es hat relativ lange gedauert, bis Deutschland wieder ein bisschen in Tritt kommt, ist immer noch nicht da, wo wir es haben wollen. Aber wir haben jetzt zum ersten Mal wirklich tangible Indikationen, dass es in die richtige Richtung geht. Ich meine, mit dem Regierungswechsel, der dann Anfang letzten Jahres stattgefunden hat, waren ja die Hoffnungen groß, mit Friedrich Merz als wirtschaftsfreundlichen Kanzler, dass er den Bock in Deutschland umstoßen kann. Und der erste Aufschlag war auch aus meiner Sicht ziemlich gut. Der Koalitionsvertrag hat sich gut gelesen, hat auch viel Lob bekommen aus der Wirtschaft. Diese kleine Euphorie, die sich dann da breitgemacht hat in der Wirtschaft, dass tatsächlich die Dinge wieder besser werden, wurde dann im April abgewürgt durch die Zölle, die die deutsche Exportwirtschaft extrem belastet haben, die US-Zölle. Und die Euphorie ist dann im Keim erstickt worden. Es hat sich nichts verbessert in 2025 auch, weil natürlich die verschiedenen Regierungsmaßnahmen, die im Koalitionsvertrag enthalten sind, wie zum Beispiel die Investitionen in Infrastruktur und in Rüstung, die Steuersenkung für die Unternehmen, die Energiekostensenkung, alles Zeit gebraucht hat, bis das ausverhandelt war, bis es abgesegnet wurde vom Parlament, bis es in einen Gesetzestext gegossen wurde. Das alles hat Zeit gebraucht bis jetzt Anfang 2026. Und wir sind quasi in der Situation, dass der negative Einfluss der Zölle abgenommen hat beziehungsweise die Wirtschaft sich damit abgefunden hat, Preise angehoben hat, beispielsweise in den USA. Jetzt kommt ja noch hinzu, dass der Supreme Court das ganze Thema ausgehebelt hat. Also das ist eigentlich positiv jetzt für Europa, was da passiert ist in den USA. Und gleichzeitig kommen jetzt erst diese wirtschaftsförderlichen Maßnahmen der Regierung. Und das kombiniert, weniger Gegenwinde plus jetzt plötzlich der Start der Rückenwinde, hat in der Tat dazu geführt, dass sich die wirtschaftliche Stimmung in Deutschland stark verbessert hat und vor allem in der Industrie. Also das Thema, was uns jetzt die letzten drei Jahre negativ beeinträchtigt hat: Deutschland ist eine Industrienation, so stark wie kaum ein anderes Land weltweit. Das dreht jetzt langsam positiv. Wir haben zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren einen Wert im Einkaufsmanagerindex gehabt von über 50, der Expansion anzeigt. Und das ist ein sehr, sehr konstruktives Signal und macht mich zuversichtlich, was jetzt eben die deutsche Entwicklung angeht und auch die deutschen Mittelstandsaktien.
Tom Roth: Vor allem bei der deutschen Entwicklung. Wenn du jetzt sagst, dass der Industriebereich auch sehr ansteigen kann, könnte das vielleicht auch ein Katalysator sein, dass auch der Dienstleistungsbereich in Deutschland dadurch auch profitieren kann?
Markus Herrmann: Absolut, weil natürlich die Kunden der Dienstleister in Deutschland vor allem Industrieunternehmen sind. Also wenn wir jetzt beispielsweise mal IT-Dienstleister oder ein Beratungsunternehmen nehmen, deren Kunden haben dann wiederum gelitten unter all diesen Dingen, die ich vorhin beschrieben habe, unter den Zöllen und ausbleibenden Fördermaßnahmen, unter der schlechten Konjunktur. Und wenn natürlich der Kunde eines Unternehmens jeden Cent zweimal umdrehen muss und sich überlegen muss, mache ich jetzt ein Projekt oder nicht, verschiebe ich das nochmal, dann ist das keine gute Ausgangsbasis. Dementsprechend, diese Zweitrundeneffekte, die werden auch extrem stark werden. Und darauf setzen wir ja auch im LOYS Premium Deutschland.
Tom Roth: Also sieht man auch, dass abgesehen jetzt von Zöllen, dass jetzt da auch die politische Situation sich jetzt auch in Deutschland ändert und auch einfach die Wirtschaft dadurch befördert wird.
Markus Herrmann: Genauso ist es, wie vorhin beschrieben. Die Rückenwinde starten erst jetzt. Und das wird nicht nur ein paar Monate tragen, sondern 500 Milliarden oder eine Billion, was auch immer man da heranziehen mag als Summen, das ist natürlich auf mehrere Jahre angelegt. Das heißt, wir stehen jetzt einfach vor mehreren Jahren von Investitionen, die der Wirtschaft helfen. Und das wird auch den Mittelstandsaktien helfen.
Tom Roth: Also haben wir ja einen positiven Ausblick auf jeden Fall für Deutschland. Wenn wir mal von steigenden Kursen zu fallenden Kursen gehen, was sich jetzt erstmal negativ anhört. Aber wenn wir nach Großbritannien blicken, sehen wir ja, dass wir von einem Inflationshoch von 3,8 Prozent jetzt mittlerweile auch im Februar auf 3 Prozent gefallen sind. Wie siehst du da die aktuelle Situation?
Markus Herrmann: Die Überleitung gefällt mir natürlich nicht, dass man hier ständig fallende Kurse hat in Großbritannien, aber sie war leider absolut richtig. Die letzten Jahre hatten sich ja dann nicht gut entwickelt im britischen Smaller- und Mid-Cap-Segment. Wir setzen da ja stark drauf im LOYS Premium Dividende. Und einer der Hauptgründe war einfach die hohe Zinslast in Großbritannien. Die Zinsen sind ja immer noch ziemlich hoch, die höchsten in den G-Staaten: 4,4 Prozent bei den Staatsanleihen, 3,75 Prozent dann bei den Leitzinsen. Und der Auslöser des Ganzen war eben die hohe Inflation. Ich vertrete ja schon seit einigen Monaten die These, dass die Inflation jetzt sich wieder nach unten bewegen sollte. Sie war inflationiert sozusagen, im wahrsten Sinne des Wortes, dadurch, dass die Sozialabgaben in Großbritannien stark erhöht wurden und auch der Mindestlohn. Das war im April 2025. Und das ganze Thema annualisiert sich jetzt so langsam. Und es sind keine neuen Erhöhungen geplant. Das heißt, die Chancen stehen gut, dass die Inflation tatsächlich weiter fällt von knapp 4 Prozent Richtung 2 Prozent. Wir hatten jetzt im Januar gesehen, dass sie stark gefallen war, schon mal auf 3 Prozent. Also der erste Schritt nach unten wurde schon gegangen. Und das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der Bank of England, hier die Zinsen senken zu können, weil das konnte sie bisher nicht aufgrund der hohen Inflation. Und 3,75 Prozent Leitzins, 2 Prozent in der Eurozone, das zeigt, wie groß die Lücke ist, die hier noch geschlossen werden kann. Und davon gehen wir aus, dass das Thema jetzt in 2026 und auch 2027 peu à peu angegangen wird und die Lücke hier geschlossen wird. Und das ist dann sehr, sehr positiv für die Bewertung der britischen Aktien. Man sieht hier in der Vergangenheit fast eine Korrelation zwischen der Bewertung der britischen Small und Mid Caps und dem Zinsniveau. Also gehen wir auch davon aus, dass wenn die Zinsen fallen, dass das eben den Aktienkursen in Großbritannien guttun wird.
Tom Roth: Durch den fallenden Zinsdruck hat man natürlich auch ein gewisses Investitionspotenzial für Unternehmen. Siehst du da auch zukünftig einfach noch mal andere Maßstäbe in den UK, dass sich da noch mal andere Entwicklungen herbeiführen können?
Markus Herrmann: Letzten Endes sind fallende Zinsen auf mehreren Ebenen gut. Es ist gut für die Unternehmen, dass sie natürlich weniger Zinslast haben. Es ist gut für die Verbraucher. Die meisten Briten wohnen nicht zur Miete, sondern besitzen ein Haus. Darauf zahlen sie dementsprechend Zinsen auf die Kredite. Und die Briten sind dann ein bisschen kurzfristiger refinanziert als die Deutschen, Zinsbindungsdauer meistens zwei bis fünf Jahre. Das heißt, solche starken Zinssteigerungen, wie wir sie gesehen haben, die reflektieren sich dann fast unmittelbar im Budget eines jeden Verbrauchers, während in Deutschland dieser Effekt ja extrem lang gestreckt ist. Die meisten haben auf zehn bis fünfzehn Jahre ihre Zinsen festgeschrieben. Und dementsprechend wurde die Wirtschaft natürlich belastet. Wenn jetzt die Zinsen sinken sollten, dann ist das extrem positiv für die britische Wirtschaft und macht viele Gelder frei, die dann auch wieder in den Wirtschaftskreislauf fließen können.
Tom Roth: Okay. Und da haben wir ja, also wenn wir jetzt mal von der Makroebene auf die Unternehmensebene gehen, haben wir da ja auch einige Unternehmen, die jetzt auch im Bereich KI stark eingepreist wurden. Und abgesehen jetzt mal von Großbritannien ist es ja eigentlich weltweit so, dass wir jetzt auch in den letzten Monaten gesehen haben, dass abgesehen mal von Software der gesamte Dienstleistungsbereich, auch Beratung und IT, dass da viele eingepreist wurden und man oft die Sorge hatte, okay, KI wird jetzt diese Unternehmen teilweise ablösen können. Wie ist da deine Sicht auf die Dinge?
Markus Herrmann: Das, was wir da in den letzten Monaten gesehen haben im gesamten Dienstleistungs-, Software-, IT-Dienstleister-, Beratungs-, Medien-, Internetbereich, also im Prinzip alles, was man nicht wirklich anfassen kann, sondern was nichts produziert, sondern dann eher von menschlichen Dienstleistungen lebt, das war schon extrem krass, muss man sagen. Also so einen Abverkauf habe ich persönlich in einer bestimmten Branche noch nie erlebt. Natürlich kennen wir so Marktabverkäufe, wo dann fast alle Aktien fallen, wie zum Beispiel als Corona begonnen hat, minus 40 Prozent in vier bis sechs Wochen. Aber dass einzelne Branchen so stark abverkauft werden, das habe ich persönlich noch nie gesehen und ist auch sehr skurril aus meiner Sicht. Denn man muss sich immer ins Bewusstsein rufen: ChatGPT wurde Anfang 2023 auf den Markt gebracht. Es wurde ziemlich schnell klar, was die KI kann und wie stark das ist, was sich da entwickeln wird. Aber trotzdem hat man im Prinzip zwei oder mehr als zwei Jahre lang angenommen, bis Mitte letzten Jahres, dass zum Beispiel die Software- und Internetunternehmen KI-Gewinner sein werden, weil man gesagt hat, die haben so eine starke Marktposition und so ein gutes Produkt, wenn sie dieses Produkt jetzt auch noch mit KI-Funktionalitäten anreichern, dann wird das Produkt noch besser, der Kundennutzen noch höher, der Kunde ist dann bereit, noch mehr Geld dafür zu bezahlen, und er ist noch treuer als davor, weil er sich auch an diese KI-Funktionalitäten gewöhnt hat. Und da hat ein Aktienmarktkonsens auch geherrscht, dass das so kommen wird. Wenn man sich mal die Softwareaktien anschaut, wie eine SAP beispielsweise, Allzeithoch, Nemetschek Allzeithoch Mitte letzten Jahres, KGVs von 50 bis 70 zum Teil aufgerufen. Und dann kam ein Tweet von Sam Altman, dem OpenAI-Gründer, das Unternehmen, das hinter ChatGPT steht, und er hat behauptet „AI eat software“, das heißt, die KI wird die Software ersetzen. Und der Aktienmarkt hat gleich noch ein paar andere Unternehmen damit reingeholt: wird Internetunternehmen ersetzen, wird Beratungsgesellschaften ersetzen. Und das war ein Statement von einem Mann aus einer Branche, die auch Geld benötigt, denn OpenAI und Anthropic und wie sie alle heißen, die verdienen ja kein Geld, sie verbrennen Geld. Das heißt, sie müssen ein Narrativ finden, warum sie die Gewinner sein werden, sonst gibt natürlich kein Investor hier neues Geld. Der Nvidia-Chef zum Beispiel, der natürlich auch mit KI massiv Geld verdient und davon lebt, aber er braucht kein neues Geld, er verdient das Geld damit, hat zum Beispiel das genaue Gegenteil gesagt. Er hat gesagt, das, was wir da sehen am Aktienmarkt mit den Softwareaktien, dass KI die Software ersetzen soll, das hält er für das Unlogischste der Welt. Und das ist mal ein Statement von einem Mann, der es eigentlich wissen müsste. Und in den Aktienkursen haben wir, wie gesagt, einen unglaublichen Abverkauf gesehen, 30, 40 Prozent innerhalb von zwei, drei Monaten bei sehr, sehr guten Geschäftsmodellen, bei sehr, sehr guten Unternehmen. Und unsere Überzeugung ist, dass da sehr, sehr viel missverstanden wurde, sehr einfache Narrative, viel über einen Kamm geschert, und dass bei den Bewertungen, die wir hier jetzt finden, extremes Potenzial liegt, wenn man sich die Dinge genauer anschaut. Und genau das ist, was wir machen. Und ich glaube, wir werden hier extrem gute Einstiegszeitpunkte haben und wir haben diese auch genutzt und sind jetzt dementsprechend auch positioniert in beiden Fonds.
Tom Roth: Das ist ja sehr spannend, dass teilweise die AI-Chefs sehr gegenläufige Aussagen tätigen. Der eine will ein bisschen mit der Angst der Anleger vielleicht herbeiführen, dass dadurch sozusagen auch die Kurse fallen. Aber wir haben ja jetzt auch gerade Reporting Season. Man hat ja auch gesehen, dass es viele Unternehmen gibt, die einfach profitabel sind und die gute Jahreszahlen aufweisen. Sprich, würdest du sagen, dass die Einpreisung des Aktienkurses einfach aktuell nicht legitim ist sozusagen?
Markus Herrmann: Ja, absolut. Ich glaube nicht, dass es dem Altman darum gegangen ist, die Kurse zum Fallen zu bewegen. Aber er muss natürlich, also wenn man ein Startup hat, und gut, OpenAI ist ein bisschen mehr als ein Startup, mittlerweile natürlich schon sehr, sehr groß, aber trotzdem noch recht jung in dem, was sie machen, wenn man immer wieder Geld braucht, um sich zu finanzieren, und sie brauchen sehr, sehr viel Geld, dann muss man natürlich immer eine Geschichte finden, wie man in Zukunft die Welt dominiert sozusagen. Und würde man so eine Geschichte nicht haben, dann würde man sich schwer tun, Investoren zu überzeugen, hier ständig Geld nachzuschießen. Kann auch sein, dass er wirklich dran glaubt. Aber ich glaube, ein guter Teil der Aussage ist natürlich hier schon etwas übertrieben und stellt sich eben besser dar, als es tatsächlich so ist. Wir haben das bei vielen anderen Themen in der Vergangenheit auch gesehen. 3D-Druck, Metaverse, die Lieferdienste wie Gorillas und so weiter, die plötzlich die Supermärkte ablösen wollten. Wir wissen alle, was aus diesen Themen geworden ist. Ich will die KI nicht kleinreden, sie wird nicht verschwinden. Aber man muss sich immer Gedanken darüber machen, ob es so einfach ist, etablierte Geschäftsmodelle zu disruptieren, die eine sehr, sehr starke Marktstellung haben und datengetrieben sind, regulatorisch getrieben sind, compliancegetrieben sind, die Netzwerkeffekte haben. Das alles sind sehr, sehr wichtige Themen. Da könnten wir wahrscheinlich mehrere Stunden lang einen Podcast drüber machen. Was ich ganz interessant finde, ist eben, was wir jetzt in der Berichtssaison, die du angesprochen hast, sehen, nämlich dass viele Unternehmen, die hier gebeutelt wurden, starke Ausblicke gegeben haben und nochmal das Thema natürlich auch aufgegriffen haben. Das ist ja immer so die Schwierigkeit in der Investorenkommunikation oder Unternehmenskommunikation für die Investoren. Am Aktienmarkt wird irgendwas durchgespielt. Die Unternehmen greifen das natürlich nicht sofort auf und machen eine Riesenpräsentation und sagen: Schaut mal her, wir sind eigentlich KI-Gewinner und nicht Verlierer. Sondern das passiert meistens, wenn sie dann Zahlen vorlegen, wenn es einen offiziellen Conference Call gibt, eine offizielle Präsentation. Und das passiert ja jetzt. Also peu à peu bekommen wir mehr Details, wie die Unternehmen sich da selbst aufstellen in dieser ganzen KI-Disruption oder Nicht-Disruption, wer Gegenwinde hat, wer Rückenwinde hat, wo vielleicht Dinge auch noch mal angegangen werden müssen. Und wir sehen insgesamt unsere These bestmöglich bestätigt bisher von den Gesprächen, die wir hatten, den Conference Calls, die wir dann angehört haben. Und wir sehen zum Teil auch Unternehmen, die eben in die KI-Verlierer-Ecke gepackt werden, die aber jetzt mehr und mehr von der KI sogar profitieren, weil zum Beispiel im IT-Dienstleistungsbereich oder im Beratungsbereich die KI natürlich auch viele Projekte auslöst. Man muss sich ja vorstellen, die Unternehmen da draußen stellen sich alle die eine Frage: Wie kann ich KI nutzen für mich? Wo sind die Risiken? Was muss ich jetzt tun? Und dafür brauchen sie Hilfe, dafür brauchen sie IT-Dienstleister, dafür brauchen sie Beratungsunternehmen. Und man sieht das jetzt eben peu à peu, dass diese Unternehmen davon profitieren und das Umsatzwachstum sogar beschleunigen können.
Tom Roth: Das sind ja dann sozusagen gerade aus Portfoliomanagersicht dann auch die Aktien, die sehr interessant sind, wenn man sieht, okay, sie profitieren sehr von KI, sind zwar in die eine Ecke gerückt worden, aber sind einfach zu einem sehr günstigen Wert gerade einzukaufen.
Markus Herrmann: Genau so ist es.
Tom Roth: Wenn wir mal auf Aktienebene bleiben: Was hättest du denn für eine Aktie des Monats heute für den Premium Dividende mitgebracht?
Markus Herrmann: Wir wollen ja jeden Monat ein Beispiel machen aus beiden Fonds. Aus dem Premium Dividende habe ich einen Wert aus Großbritannien mitgebracht, der noch dazu in die KI-Verlierer-Ecke gesteckt wird.
Tom Roth: Also besser geht es nicht.
Markus Herrmann: Deckt zwei Themen auf einmal ab. Das ist die britische Elixirr. Elixirr ist ein Beratungsunternehmen, wurde gegründet von ehemaligen Consultants von großen Gesellschaften wie McKinsey, Bain und so weiter und will die Dinge anders machen. Und was sie anders machen wollen, ist, dass sich jeder als Teil des Unternehmens fühlt und als Entrepreneur. Das heißt, jeder Mitarbeiter vom tollen Consultant bis letzten Endes zur Empfangsdame oder zum Empfangsherrn hat Aktienpakete, also nimmt am Erfolg der Firma oder auch am Misserfolg teil. Die Menschen, die dort arbeiten, sind sehr, sehr stark am Erfolg der Firma incentiviert. Und ich habe die Firma jetzt schon zwei-, dreimal besucht. Das merkt man in jeder Faser dieser Mitarbeiter. Die wissen ganz genau: Jeder muss eben seinen Job machen, um zum Erfolg beizutragen, und hat einfach diese monetäre Incentivierung, das auch zu tun. Also es ist ein ganz anderer Spirit da. Die Firma verdient mehr als die Hälfte ihres Geldes in den USA, hat da extrem viele große Unternehmenskunden. Und es geht vor allem eben um Management Consulting. Das heißt: Wie stelle ich meine Firma eben nachhaltig auf, um in diesen ganzen Wirren, die wir momentan auf der Welt haben, Erfolg haben zu können? Und da ist ja auch eben das Thema, was ich gerade angesprochen habe, sehr, sehr wichtig. Elixirr ist sehr, sehr stark im Thema AI-Consulting, Data-Consulting. Das heißt: Wie nutze ich diese neuen Möglichkeiten der AI bestmöglich? Die Frage stellt sich jedes Unternehmen. Und Elixirr profitiert sogar eben von diesem Trend. Der Aktienmarkt nimmt momentan an, na ja, die AI, die wird wahrscheinlich die eine oder andere Aufgabe übernehmen der Consultingunternehmen. Aber da sprechen wir letzten Endes von Verträge schreiben, Texte zusammenfassen, PowerPoint-Folien machen. Das ist ja im gesamten Spektrum dessen, was Elixirr an Beratungsdienstleistungen bringt, im Prinzip nur ein ganz, ganz kleiner Teil, den üblicherweise Einsteiger, Juniors bei Elixirr machen, um dann zuzuarbeiten. Davon übernimmt jetzt ein Teil die AI. Das ist tatsächlich so. Aber der Kern der Aufgabe, der wird natürlich nach wie vor Bestand haben. Kein Manager eines großen Unternehmens wird zukünftig sagen: Na ja, ChatGPT sagt mir schon, wie ich die Firma aufzustellen habe. Sondern da wird es natürlich professionelle Beratungsunternehmen brauchen. Das Schöne an Elixirr ist: Man ist extrem wachstumsstark. Also das, was ich vorhin auch beschrieben habe, dieser wirklich besondere Spirit bei dem Unternehmen, führt tatsächlich auch zu starken Wachstumsraten. Zweistelliges organisches Wachstum jedes Jahr. Letztes Jahr 17 Prozent organisches Wachstum in einer Welt, die unsicher ist, wo viele Beratungsgesellschaften zu kämpfen haben, weil die Kunden eben Projekte eher verschieben. 17 Prozent organisches Wachstum, EBIT-Marge von fast 30 Prozent, eine sehr gute Cash Conversion. Das ist genau das Unternehmen, was wir haben wollen.
Tom Roth: Also ist der Faktor AI, dass sie damit auch schon arbeiten, auch einer der Ausschlaggebenden, dass du sagst, okay, der Beratungsbereich läuft gerade aktuell nicht so gut, aber es gibt dennoch so die kleineren Hidden Gems sozusagen, die einfach sich auch noch mal anders positionieren, noch mal einen anderen Spirit haben und dadurch vielleicht auch sich abheben von den klassischen Beratungen?
Markus Herrmann: Ja, das ist das Schöne an so einem Dienstleistungsbereich. Das sind ja oft unglaublich fragmentierte Märkte. Wie viel tausend, tausende Beratungsgesellschaften gibt es? Das heißt, wenn ich es schaffe, die Dinge anders zu machen, besser zu machen als meine Konkurrenten, kann ich natürlich sehr, sehr viele Marktanteile gewinnen und habe trotz vieler Marktanteilsgewinne immer noch einen kleinen Marktanteil, weil der Markt einfach so riesig ist. Genau das zeigt Elixirr einfach mit seinen Wachstumsraten und mit dem Mindset, was man hier hat. Und noch dazu ist die Bewertung dann aufgrund des Kursdrucks, der eben an den Märkten ausgelöst wurde in dem Bereich, extrem attraktiv. Wir haben hier ein KGV von 10 für so ein Profil, wie ich es vorhin genannt habe: hohe Margen, starkes Wachstum, auch resilientes Geschäft, Beratung findet immer statt sozusagen. Und dementsprechend perfektes Investmentbeispiel für den LOYS Premium Dividende.
Tom Roth: Ja, hört sich an. Dann wird es ja eher kein KI-Verlierer, sondern eher in Richtung KI-Gewinner gehen.
Markus Herrmann: So sehen wir das. Und so zeigt sich das auch in den Zahlen. Also die Faktoren zeigen das einfach.
Tom Roth: Wenn wir zum LOYS Premium Deutschland gehen, was hast du da uns für eine Aktie mitgebracht?
Markus Herrmann: Ja, auch hier wieder eine Aktie, die in den Bereich der KI-Verlierer gesteckt wird. Das ist die Amadeus Fire. Und Amadeus hat eine Reise hinter sich, hat angefangen als reiner Personalvermittler. Das heißt, man hat Zeitarbeiter vermittelt, aber auch Headhunting betrieben, das heißt, Personal gesucht für Unternehmen, und das ausschließlich im White-Collar-Bereich. Das heißt, nicht Menschen, die in der Produktion arbeiten, sondern eben Menschen wie Ingenieure, ITler, Buchhalter etc. pp. Das hat man viele Jahre sehr, sehr erfolgreich gemacht, hat stetig Marktanteile gewonnen, hat hohe Margen erzielt in diesem Bereich. Und es war auch relativ konjunkturunabhängig, muss man sagen. Also selbst in einer Krise wie 2009 hat man gesehen, dass der Umsatz kaum zurückgegangen ist, während jetzt andere Unternehmen in diesem Bereich, die mehr von den Produktionsmitarbeitern leben, natürlich ganz andere Ausschläge hatten. Weil ein Autobauer beispielsweise, der muss natürlich mit seiner Belegschaft atmen. Wenn die Konjunktur kriselt, bis mal die Menschen, die im Büro arbeiten, entlassen werden, da muss schon eben mehr passieren als so kurze Krisen, wie wir sie beispielsweise eben 2009 gesehen hatten. Jetzt ist es aber so: Dadurch, dass wir in Deutschland, Amadeus ist nur in Deutschland tätig, und dadurch, dass die Krise jetzt schon so lange dauert, wir wissen es alle aus den Medien, mussten die Konzerne oder müssen die Konzerne auch an die Bürobelegschaft ran. Es war klar, das ist nicht eine Krise, die irgendwie nach zwei Quartalen ausgestanden ist, so wie beispielsweise eben in den letzten Krisen, sondern sie dauert eben jetzt schon drei, vier Jahre, im Prinzip seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine. Und das ist eben der komplizierende Faktor. Plötzlich hat man auch im White-Collar-Bereich diesen Druck gesehen, den Amadeus so bisher nicht kannte. Dementsprechend war das Zeitarbeits- und Personalvermittlungsgeschäft jetzt extrem unter Druck in den letzten zwei Jahren. Und als balancierender Faktor hatte man eigentlich ein anderes Geschäft noch parallel aufgebaut beziehungsweise über Akquisitionen gestärkt in den letzten Jahren, und zwar das Weiterbildungsgeschäft. Das Weiterbildungsgeschäft beschäftigt sich vor allem mit Weiterbildungskursen für Arbeitssuchende, für Arbeitslose, die von der Bundesagentur für Arbeit finanziert werden. Somit ist Amadeus zumindest in der Theorie perfekt aufgestellt, ausbalanciert. Wenn die Konjunktur gut läuft, haben wir eben eine gute Entwicklung im Personalvermittlungsgeschäft. Es gibt aber dann weniger Arbeitslose, also hat man weniger Weiterbildungsumsatz. Wenn die Konjunktur schlecht läuft, genau andersrum, dann ist das Personalvermittlungsgeschäft zäh, so wie in den letzten zwei, drei Jahren, aber es gibt mehr Arbeitslose, die mehr Weiterbildung brauchen. Dementsprechend verdient Amadeus dann mehr Umsatz im Weiterbildungsbereich. Soweit die Theorie. Warum sage ich Theorie? Weil es eben in 2025 sehr, sehr speziell war, was die Situation angeht. Denn wir hatten die Schwäche im Personalvermittlungsgeschäft aufgrund der schwachen Konjunktur. Aber wir hatten gleichzeitig nicht den positiven Effekt im Weiterbildungsbereich. Warum war das so? Weil durch den Regierungswechsel die neue Regierung erstmal die Verantwortlichkeiten im gesamten arbeitssuchenden Spektrum, also Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsministerium etc. pp., neu sortiert hat. Und dadurch, dass wir auch lange gar keinen Haushalt hatten für 2025 und 2026, waren die Weiterbildungsbudgets auch völlig unklar. Das heißt, die verantwortlichen Stellen haben die Gelder zusammengehalten. Und trotz des Anstiegs der Arbeitslosenzahlen, die wir in Deutschland gesehen haben, ist die Anzahl der Weiterbildungsmaßnahmen gesunken in 2025. Das heißt, Amadeus musste den doppelten Gegenwind verkraften, anstatt wie von der Aufstellung vorgesehen ein ausbalanciertes Spektrum vor sich zu haben. Wenn wir jetzt nach vorne blicken, und jetzt wird es eben interessant, die Aktie wurde extremst durchgereicht an den Märkten. Wenn wir nach vorne blicken, haben wir ja tendenziell den doppelten Rückenwind. Denn die Konjunktur, wie wir vorhin besprochen haben, in Deutschland zieht jetzt langsam wieder an. Das wird sich nicht sofort umsetzen in steigende Zahlen für Amadeus im Personalvermittlungsbereich, sondern das wird ein paar Quartale brauchen. Aber die Rückgänge werden kleiner werden. Das sieht man jetzt schon, hat man jetzt schon in den vergangenen Quartalen gesehen, und wird sich aus meiner Sicht in 2026 dann wieder langsam nach oben entwickeln. Der Weiterbildungsbereich: Die Dinge sind jetzt dort sortiert, die Budgets freigegeben, der Haushalt ist da, die verantwortlichen Stellen wissen, wie viel sie ausgeben dürfen. Der wird wieder aufschließen zur Anzahl der Arbeitslosenzahlenentwicklung, die wir gesehen haben. Das heißt, Weiterbildung relativ visibel, dass es da nach oben geht in 2026. Personalvermittlung jetzt auch wieder in einem positiven Trend, also doppelter Rückenwind für eine Amadeus. Und das ist dann natürlich ganz interessant, wenn eine Aktie so stark unter Druck gekommen ist. Bewertung momentan jetzt so, dass eigentlich nur noch das Weiterbildungssegment gepreist ist in der Aktie. Die Personalvermittlung, die aber ungefähr die Hälfte des Geschäfts ausmacht, wird im Prinzip mit nur null eingepreist vom Aktienmarkt. Und das sind genau diese Situationen, die wir suchen. Und dementsprechend hoch haben wir sie auch im LOYS Premium Deutschland jetzt gewichtet.
Tom Roth: Also ist die Firma ja sozusagen zweischneidig sehr gut aufgestellt. Und vor allem war ja dann wahrscheinlich auch die politische Entscheidung oder der politische Wechsel, der sich jetzt auch langsam nach vorne geht, einer der Gründe, warum du die Aktien mit ins Portfolio aufgenommen hast.
Markus Herrmann: Absolut. Dadurch, dass man eben nur in Deutschland tätig ist, ist natürlich die deutsche Konjunktur schon wichtig, wobei das bei Amadeus, wie gesagt, normalerweise gar nicht so entscheidend ist, weil man eben diese ausbalancierte Aufstellung dann hat. Was ich vielleicht noch erwähnen muss: Wir hatten ja das Thema KI. Und ich bin mir sicher, der eine oder andere Bürojob wird wegfallen wegen KI. Das ist dann dementsprechend schlecht für Amadeus. Aber da kommt wieder das deutsche Thema ins Spiel. Wenn Amadeus beispielsweise in anderen Ländern aktiv wäre, wo wir eine andere demografische Entwicklung haben, dann könnte man sagen, okay, wenn jetzt durch KI da Jobs wegfallen, dann ist das dementsprechend schlecht. Was für Amadeus aber der größte Rückenwind ist, ist die demografische Entwicklung in Deutschland. Wir alle wissen, dass wir extrem viele Arbeitskräfte verlieren werden, einfach durch die Pyramide, wie wir sie eben haben in Deutschland. Die Leute gehen in Rente, das fängt jetzt extrem stark an. Und dementsprechend brauchen wir sogar KI, um diese Leute zu ersetzen. Für Amadeus ist das ein extremer Rückenwind, dass immer weniger Menschen überhaupt noch arbeiten können in Deutschland und die Anzahl der Fachkräfte, die dann zu besetzen sind, wird steigen aufgrund des demografischen Wandels. Und dementsprechend bin ich hier auch entspannt, was die mögliche Reduktion eines Teils der Arbeitsplätze durch die KI angeht.
Tom Roth: Dann haben wir wirklich sehr positive Ausblicke, vor allem auf Aktienebene in Deutschland, aber auch in Großbritannien. Und dann bedanke ich mich fürs Gespräch, Markus, und bis zum nächsten Mal.